Nicht erst seit der Pandemie hat der digitale Unterricht einen großen Sprung nach vorne gemacht, vor allem seit der KI ist er aber immer schneller im Wandel – was die Notwendigkeit digitales Unterrichtsmethoden erklärt. Ob als Ergänzung zum Präsenzunterricht oder die Umstellung auf digitale Geräte – digitale Methoden sind aus unserem Schullalltag nicht mehr wegzudenken. Aber nicht alles ist Gold, was glänzt. Ich habe in den letzten Jahren unzählige Unterrichtsmethoden ausprobiert. Meine absolute Lieblings-Unterrichtsmethoden sind: Flipped Classroom, Gamification und kollaborative Tools. Alle drei lassen sich nur im digitalen Unterricht einsetzen und sind super sinnvoll. Heute zeige ich dir also 3 effektive Unterrichtsmethoden für den digitalen Unterricht, die deinen Unterricht bereichern können und den Schülerinnen und Schülern meist sehr viel Spaß machen. Viel Spaß!

Unterrichtsmethode 1: Flipped Classroom
Beim Flipped Classroom wird das klassische Unterrichtsmodell (Einstieg – Fragestellung – Erarbeitung – Sicherung – Transfer/Vertiefung) umgedreht. Während die Schülerinnen und Schüler sich die Theorie zu Hause z.B. über Texte oder Videos erarbeiten, wird die Unterrichtszeit für praxisnahe Anwendungen, Übungen, individuelle Beratung und Diskussionen genutzt.
Warum führe ich das bei digitalen Unterrichtsmethoden auf?
Das eigenständige Erarbeiten der Unterrichtsinhalte durch die Schülerinnen und Schüler macht besonders dann Sinn, wenn sie verschiedene Lernwege zur Verfügung gestellt bekommen. Besonders beliebt ist Flipped Classroom in Kombination mit Erklärvideos (Explanity)und Lernapps wie LearningApps oder Anton.
Vorteile
- Mehr Zeit für individuelle Förderung im Unterricht
- Aktivere Schülerbeteiligung
- Schult die Kompetenz, sich Wissen selbst anzueignen
- Schafft mehr Raum für Meinungsaustausch und Schulung anderer Fähigkeiten, z.B. Argumente zu bilden, die eigene Meinung zu vertreten und andere Perspektiven einzunehmen
Herausforderungen
- Erfordert gut vorbereitete Materialien, die Texte, Videos u.ä. müssen sehr gut ausgewählt und den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung gestellt werden.
- Schülerinnen und Schüler müssen eigenständig arbeiten können – mache benötigen hier Hilfestellungen
Praktische Tipps
- Erstelle selbst kurze und verständliche Videos, nutze Erklärvideos (z.B. Studyflix) oder bestehende YouTube-Kanäle (z.B. Lehrer Schmidt)
- Plane interaktive und praxisnahe Elemente in die Übung/ Vertiefung/ Diskussion mit ein. Mittlerweile bieten viele LernApps eine breite Möglichkeit ein abwechslungsreicher, selbstgesteuerter und individualisierter Lernprozess anzustreben.
- Es sollte darauf geachtet werden, nicht die ganze Unterrichtseinheit im Konzept des Flipped Classroom durchzuführen. Ich nutze die Unterrichtsmethode immer maximal nur bei 2-3 Stunden pro Einheit, da der Freiraum eingeübt werden muss und einige Schülerinnen und Schüler hier mehr Schwierigkeiten haben als andere.
Unterrichtsmethode 2: Gamification
Gamification bedeutet das Einbinden spielerischer Elemente in deinen Unterricht. Durch die Digitalität hat sich hier eine Vielzahl an Möglichkeiten von Edu Breakouts/ Escape Games, Quizzen, Wettbewerben bis hin zu Multiple Choice Fragen entwickelt. Das Konzept beinhaltet ein Ziel (Lösung von etwas), während des Spiels werden bestimmte Inhalte vermittelt, vertieft oder wiederholt, bis am Ende des Spiels die Lösung bzw. Belohnung erreicht werden kann. Die Frage, was Schülerinnen und Schüler zum Handeln motiviert, wird hier anders angegangen, um das kognitive Potenzial auszureizen. Daher ist Gamification einer meiner absoluten Lieblinge der digitalen Unterrichtsmethoden.
Vorteile
- langweilige, unangenehme oder schwierige Aufgaben können spielerisch zugänglich gemacht werden
- erhöhte Motivation durch die spielerischen Elemente
- Spaß und Abwechslung
- Sofortiges Feedback durch Punkte, Ranglisten etc. kann den Lernprozess beschleunigen
- Die Zusammenarbeit und Wettbewerbe fördern Teamarbeit und soziale Interaktion
Herausforderungen
- Es liegt ein Überfokus auf den Wettbewerb vor, wodurch ein übermäßiges Konkurrenzdenken verstärkt werden kann
- Der Zeitaufwand für die Erstellung und Integration von Spielen kann zu Beginn mit der Arbeit in neuen Apps etc. deutlich höher sein.
- Nicht alle Schülerinnen und Schüler haben die gleichen technischen Voraussetzungen, wodurch die Ungleichheit gefördert werden kann (wenn die Gamification nicht in der Schule stattfindet)
- Gamification kann mitunter von den eigentlichen Lernzielen ablenken.
Praktische Tipps
- Ich erstelle Elemente von Gamification gerne gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, insbesondere in der/den Stunde/n vor Weihnachten oder den Sommerferien.
- Ich erstelle immer nur ein „größeres“ Gamification pro Unterrichtseinheit für die Schülerinnen und Schüler. Denn ich liebe die Unterrichtsmethode, jedoch soll sie schon auch etwas Besonderes bleiben.
- Wenn ich mich in ein Tool eingearbeitet habe, dann bleibe ich auch gerne für mindestens zwei, drei Schuljahre dabei. Sollte mich ein anderes Tool zeitnah überzeugen, versuche ich die Games direkt zu transferieren.
- Ich vermerke mir die Games deutlich in der Unterrichtseinheit und im Verlaufsplan.
Unterrichtsmethode 3: Kollaborative Tools
Kollaborativ bedeutet die Zusammenarbeit mit anderen, durch verschiedene Tools kann dies digital stattfinden. Tools wie TaskCards, Miro Board und Microsoft Teams bilden dazu unzählige Möglichkeiten als neue digitale Unterrichtsmethode. Im Rahmen der Schule sollte aber immer unbedingt auf den Datenschutz geachtet werden.
Vorteile
- Förderung der Teamfähigkeit, da die Schülerinnen und Schüler lernen, effektiv zusammenzuarbeiten und zu kommunizieren
- Echtzeitzugriff auf vielfältige Ressourcen
- Parallele Bearbeitung ist meist möglich
- Zusammenarbeit unabhängig vom Ort schafft notwendige Flexibilität
- Vorbereitung auf den Arbeitsalltag vieler Berufe (z.B. HomeOffice, Meetings, Terminplaner, To-Do-Listen)
Herausforderungen
- Technische Probleme mit der Internetverbindung und Kompatibilität der Geräte kommen immer wieder vor.
- Bei der Zusammenarbeit bzw. Gruppenarbeit kommt es bei Schülerinnen und Schülern immer wieder vor, dass die Arbeitsteilung nicht optimal ist (ist mit digitalen Tools oftmals nachvollziehbar, wer was gemacht hat!, z.B. Microsoft OneNote)
- Das Ablenkungspotenzial durch Chats, Spiele und Soziale Medien ist erhöht, wenn digital und kollaborativ gearbeitet wird.
- Der Datenschutz im Sinne der Sicherstellung der Privatsphäre und Einhaltung der Datenschutzrichtlinien muss vor der Nutzung eines kollaborativen Tools geklärt sein.
Praktische Tipps
- Grundsätzlich sollten keine sensiblen Daten der Schülerinnen, Schüler, Kolleginnen und Kollegen sowie der Schule über ein kollaboratives Tool geteilt werden.
- Weiterhin ist eher auf Plattformen zurückzugreifen, die bereits von der Schule angeboten werden.
- Wichtig ist auch, dass die Schülerinnen und Schüler sich entweder nicht anmelden müssen oder aber das Einverständnis der Erziehungsberechtigten eingeholt wird.
- Die Echtzeitbearbeitung mehrerer Personen und das Weiterarbeiten separat zuhause ist GOLD-WERT und hat das Arbeiten in/außerhalb meines Unterrichts stark verändert.
Digitale Unterrichtsmethoden bieten viele Vorteile und können deinen Unterricht bereichern. Probiere die drei genannten Methoden aus und finde heraus, welche am besten zu dir und deinen Schülern passen. Schau auch bei Digitales vorbei, um weitere Tipps und Anleitungen zu erhalten!
Literaturtipps
Flipped Classroom
Bei den weiterführenden Schulen kann ich euch eher fachspezifische Literatur empfehlen. Ein richtiges Grundlagen-Werk nur für Flipped Classroom habe ich (noch) nicht gefunden.
z.B. Englisch (Vorbestellbar)
https://amzn.to/4blHeegSchönherr, Maria (2024): Mit der Flipped Classroom-Methode unterrichten – Selbstorganisiertes Lernen fördern – Englisch – Klasse 11-13: Buch mit Kopiervorlagen, Cornelsen.*
Gamification
Kollaborative Tools
Nölte, Björn (2022): Upgrade: Kollaboratives Lernen: Sehen – Fördern – Bewerten, Klett Verlag.*
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