Hier erfahrt ihr, was für mich guter Unterricht bedeutet. Ich könnte jetzt beginnen ganz großartige und relevante Werke zu zitieren, wie zum Beispiel Hilbert Meyers* „Was ist guter Unterricht?“, eine fachwissenschaftliche methodisch und didaktisch belegten Artikel zu gutem Unterricht schreiben – aber ich entscheide mich hier (zunächst) bewusst für die subjektive Seite.
Was mag ich an Unterricht?
Was ist für mich guter Unterricht? Wann gehe ich mit einem guten Gefühl aus meinem Unterricht heraus? – Viele Fragen, die alle auf das positive oder negative Gefühl nach einer Unterrichtsstunde abzielen.
Ich mags!
Wenn der Einstieg zu einer problemorientierten Leitfrage führt und die Schülerinnen und Schüler direkt Bock auf das Thema haben.
Viele Diskussionen und Austausch mit den Schülerinnen und Schüler stattfindet.
Wenn Fragen über den Tellerrand hinaus kommen.
Wenn das Tablet mehr als nur ein Tafelersatz ist.
„Ahhhh jetzt check ich es!“ – Aussagen von Schülerinnen und Schüler bei komplizierteren Themen.
Wenn am Ende etwas da ist, was bleibt und bestand hat – ob ein digitales oder analoges Tafelbild oder Schüler/innenarbeiten.
Transparenz und Metatransparenz, vor allem wenn die Schülerinnen und Schüler wissen (wollen) und verstehen, warum ich was wie mache.
Wenn Schülerinnen und Schüler etwas für sich und ihr Leben mitnehmen. Was hast du heute in deinen Kompetenz- und Wissenskoffer gepackt?
Wenn Schülerinnen und Schüler nach dem Klingeln noch kurz mit ihrem Nebensitzer/ ihrer Nebensitzerin über das Stundenthema reden, weil es da noch so viel mehr zu sagen gäbe – und eben nicht direkt zum nächsten Fach und nächsten Thema, der Pause oder dem Wochenende übergehen.
Schöne, farbige Bildchen. In manchen Fällen ist es mir egal, ob es jetzt sinnstiftend ist, es macht das Leben einfach ein bisschen schöner.
Wenn ich in Gruppenarbeiten/ Einzelarbeiten oder Partnerarbeiten Zeit habe, individuelle Fragen zu beantworten und vor allem mit eher introvertierten Schülerinnen und Schülern ins Gespräch komme.
Schön gestaltete Arbeitsblätter, in denen ich bei der Vorbereitung nicht auf die Uhr geschaut habe, sondern im Flow war.
Ach und wenn wir schon beim Flow sind. Ich liebe es, wenn der Unterricht flowt. Wenn du dir einfach denkst: Ach cool, das läuft.
Nach Klassenarbeiten trotz einer schlechten Note ein Schmunzeln im Gesicht eines Schülers oder einer Schülerin zu lesen, wenn sie deine Rückmeldung zu den individuellen Fortschritten liest.
Neue, kreative Methoden, Spiele und schüleraktivierende Dinge ausprobieren.
Auf „Können wir heute bitte draußen unterrichten?“ einfach mal „Ja“ zu antworten.
Der zögerliche Blick vor der Meldung einer schüchternen Schülerin oder eines Schülers, die/der sich dann doch traut und den Mut fasst etwas zu sagen.
Das Grinsen von Schülerinnen und Schülern, wenn ich auf ihre Antwort antworte „MEEEEGA! Das hast du sehr gut gesagt! Genauso schreiben wir das auf! Einfach spitze!“

Was ich an gutem Unterricht mag – fachwissenschaftlicher gesagt
Problemorientierte Leitfragen
Dies entspricht dem konstruktivistischen Ansatz, bei dem der Lernende aktiv Wissen konstruiert. Mit der Auseinandersetzung mit realen Problemen und Fragestellungen, die im Idealfall in die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler passen, steigt die Motivation. Es können aber auch große Fragen des Fachs und der Forschung geöffnet werden. Dies fördert das Interesse der Schülerinnen und Schüler und das kritische Denken. Insgesamt wird die Problemlösefähigkeit in der heutigen Gesellschaft immer wichtiger.
Diskussion und Austausch
Die rege Beteiligung an Diskussionen, Rollenspielen, Podiumsdiskussionen und der Austausch von Ideen und Gedanken ermöglicht es den Schülerinnen und Schüler verschiedene Perspektiven aufzugreifen, anzuhören und anzunehmen. Dadurch wird das Verständnis für komplexe Situationen erhöht und die Multikausalität von Situationen betont. Außerdem hat es Vorteile für das soziale Lernen und fördert die Kommunikationsfähigkeit.
Transparenz und Metatransparenz
Indem die Unterrichtsentscheidungen zur Auswahl gestellt, erklärt und gemeinsam mit den Schülerinnen und Schüler reflektiert werden, verstehen die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Lernprozess. Es fördert die Meta-Kognition: das Bewusstsein über das eigene Denken und Lernen. Dies kann individuelle Präferenzen und Abneigungen der Schülerinnen und Schüler zeigen und fördert das eigene Selbstverständnis. Die gewünschte Transparenz ist bei Schülerinnen und Schülern oftmals auf die gemessene Leistungserwartung gebunden. Hier ist es wichtig mit den Schülerinnen und Schülern Richtlinien und Anforderungen transparent zu machen. Auch eine zügige Rückmeldung in Bezug auf den individuellen Lernfortschritt ist für das Lernen förderlich.
Individuelle Förderung
Das Beantworten individueller Fragen und das gleichzeitige Eingehen auf die Bedürfnisse von introvertierten Schülerinnen und Schülern stärkt die Schüler-Lehrer-Beziehung und zeigt die Leistung ruhigerer SuS. Es zeigt gleichzeitig Stärken und Schwächen, d.h. schafft Transparenz über den Leistungsbedarf sowie Förder- und Fordernotwendigkeiten.
Methodenvielfalt
Die Integration neuer und kreativer Methoden sowie schüler- und handlungsorientierter Ansätze fördert die Motivation und das Engagement der Schülerinnen und Schüler. Es ermöglicht verschiedene Lernpräferenzen zu berücksichtigen und neue Lernansätze zu fördern. Die Abwechslung steht Monotonie entgegen und ermöglicht die unterschiedlichsten Möglichkeiten Unterricht zu gestalten.
Positive Verstärkung und Empowerment
Dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler regelmäßig und ungewöhnlich gelobt und ermutigt werden, wird das Selbstvertrauen und die positive Einstellung zum Lernen gefördert. Dies steigert sowohl die Lernmotivation wie auch die Lernleistung. Außerdem fördert der wertschätzende und reflektierte Umgang mit Fehlern ein positives Lernklima. Fehler werden als Lernerfahrungen und somit als Chance gesehen.
Lernförderliches Klima
Ein Arbeiten in einem schönen Umfeld ist für alle angenehm. Dies ist gekennzeichnet von gegenseitigem Respekt, klaren und gemeinsam vereinbarten Regeln, welche strikt eingehalten werden und eine gemeinsame Verantwortung. Im Zentrum steht bei Schülerinnen und Schülern oft das Gefühl von Gerechtigkeit und Fürsorge untereinander für ein schönes Miteinander.
Hoher Anteil echter Lernzeit
Dies beinhaltet Aspekte wie eine effiziente Unterrichtsorganisation, der Minimierung von Unterbrechungen, einen hohen zeitlichen Anteil an Lernaktivitäten, die Konzentration auf das Wesentliche und Zeit für Feedback und Reflexion, um den Lernfortschritt einschätzen zu können. Hierfür müssen Aufgaben klar gestellt werden, die Unterrichtsschritte, wie zum Beispiel Erarbeitung, Sicherung und Transfer müssen deutlich voneinander unterscheidbar sein und die Schülerinnen und Schüler kennen das Ziel, auf das sie hinarbeiten.
Quelle: Eigene Erfahrungen, vermischt mit den Informationen aus dem Buch „Was ist guter Unterricht?“ von Hilbert Meyer*.
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