4 Methoden für die erste Stunde nach den Sommerferien

Der erste Stunde nach den Sommerferien ist mehr als nur Stundenplan und Sitzordnung – sie ist der erste Eindruck und die Basis für das kommende Schuljahr. Sie ist eine Chance, den Grundstein für ein motivierendes, respektvolles und kreatives Schuljahr zu legen. Gerade als beginnende Lehrkraft oder ReferendarIn möchte man nicht einfach „ins kalte Wasser“ starten, sondern die Klasse von Beginn an mit einbeziehen, Werte definieren, Teamgeist stärken und eine gemeinsame Basis finden. Diese Mischung aus Aufregung, Erwartung, Organisation und Trubel. Herrlich!

Gestaltung mit Texten 'Beginne das neue Schuljahr geplant' auf einem hellen Hintergrund.

In diesem Artikel stelle ich Dir 4 praxiserprobte Methoden für die erste Stunde nach den Sommerferien vor, die nicht nur Spaß machen, sondern auch immer einen tieferen Sinn ergeben – ob Kreativität, Regeln und Werte festlegen, das Selbstbewusstsein der SuS stärken oder die Zusammenarbeit zu fördern.

  1. Mit Upside-Down-Teacher entwickelst du spielerisch gemeinsame Klassenregeln – von der witzigsten „Worst-Case“-Regel bis zur positiven Version.
  2. Superkraft aus Schwäche hilft deinen Schüler:innen, aus vermeintlichen Schwächen persönliche Stärken zu formen – und stärkt so das Selbstvertrauen.
  3. Die Umkehr-Challenge regt zum kritischen Denken an und zeigt, wie aus „schlechten Ideen“ innovative Lösungen entstehen.
  4. Mit der Erfolgs-Playlist schaffst du ein motivierendes Klassenritual, das über das ganze Schuljahr hinweg verbindet.

1. Upside-Down-Teacher

Das Ziel dieser Methode ist es, Klassenregeln gemeinsam zu entwickeln, bei denen die SuS den Sinn dahinter verstehen und die Regeln auch akzeptieren und als wichtig erachten. Allerdings aus der Perspektive, was man NICHT will.

Geeignet ist die Methode prinzipiell für alle Klassenstufen, besonders für neu zusammengesetze Gruppen. Ich würde aber sagen, dass die SchülerInnen besser etwas älter, ab Klasse 5, eher Klasse 7 sind.

Ablauf der Methode:

  1. Teile die Klasse in kleine Gruppen ein.
  2. Jede Gruppe sammelt 5 Regeln, wie eine möglichst schlechte Lehrkraft oder Klasse funktioniert (z. B. „Im Unterricht immer stehen“, „Immer reinreden“, „Nie Hausaufgaben machen“, „Immer Fronatlunterricht“, „Bleidigungen als normale Anrede“).
  3. Die Listen werden vorgestellt und gemeinsam ins Positive gedreht (z. B. „Immer reinreden“ → „Wir lassen einander ausreden“).
  4. Die Regeln können dann sortiert werden in: Die wollen wir in diesem Schuljahr zu 100% einhalten, die Regeln wollen wir einhalten, wenn sie sinnvoll sind und diese Regeln finden wir nicht wichtig oder sinnvoll.
  5. Die fertigen positiven Regeln, die die Klasse (und natürlich du :)) einhalten wollen, werden auf einem Plakat oder digital festgehalten – euer „Klassenvertrag“.

Praxis-Tipp: Mit Humor starten! Je absurder die „Negativ-Regeln“, desto mehr Lacher – und desto leichter fällt später der Transfer ins Positive. Du kannst hier natürlich auch lenken: Was ist dir denn in deiner Klasse besonders wichtig?

2. Superkraft aus Schwäche

Das Ziel dieser Methode ist es, dass die SchülerInnen erkennen, dass vermeintliche Schwächen durchaus sehr große Stärken sein können, wenn sie aus einer anderen Perspektive betrachtet werden und demnach auch eingesetzt werden.

Geeignet ist die Methode prinzipiell ab der 7. Klassenstufe und gut geeignet für die Klassengemeinschaft, die sich schon etwas besser kennt und für das Ziel der Selbstreflexion.Jede:r notiert eine eigene „Schwäche“ auf einen Zettel (z. B. „Ich rede zu viel“, „Ich bin chaotisch“).

In Partnerarbeit überlegen die Schüler:innen, wie diese Eigenschaft zu einer „Superkraft“ werden kann (z. B. „Ich rede zu viel“ → „Ich werde Moderator:in“).

Die Ideen werden kreativ präsentiert – per Mini-Poster, kurzer Rede oder improvisiertem Rollenspiel.

Ablauf der Methode:

  1. Jede:r notiert eine eigene „Schwäche“ auf einen Zettel (z. B. „Ich rede zu viel“, „Ich beginne zu spät mit dem Lernen“).
  2. In Partnerarbeit überlegen die Schüler:innen, wie diese Eigenschaft zu einer „Superkraft“ werden kann (z. B. „Ich rede zu viel“ → „Ich werde Moderator:in und leite in diesem Schuljahr viele Diskussionen oder Rollenspiele“).
  3. Die Ideen werden kreativ präsentiert – per Mini-Poster, kurzer Rede oder improvisiertem Rollenspiel.

Praxis-Tipp: Auch als Lehrkraft kannst Du ein eigenes Beispiel bringen, um die Hemmschwelle zu senken. Das sorgt für Vertrauen und öffnet die Klasse. Das macht Dich nahbar – überleg es Dir gern im Voraus.

3. Die Umkehr-Challenge

Das Ziel dieser Methode ist es, das kritische Denken und die Problemlösekompetenz bei deinen SchülerInnen zu fördern.

Geeignet ist die Methode ab der 7./8. Klassenstufen, besonders wenn du Fachlehrkraft in Gesellschaftswissenschaften oder Ethik bist.

Ablauf der Methode:

  1. Stelle ein provokantes Thema vor, z. B. „Die schlechteste Schule der Welt“.
  2. Die Klasse sammelt in kleinen Gruppen absurde Ideen, um dieses Ziel zu erreichen (z. B. „Alle Prüfungen um 5 Uhr morgens“).
  3. Jede Gruppe muss aus diesen schlechten Ideen eine funktionierende, positive Lösung entwickeln.
  4. Präsentation der „innovativen Ideen“ vor der Klasse.

Praxis-Tipp: Diese Methode lässt sich perfekt mit Diskussionen über Regeln, Veränderungen und kreative Lösungswege verbinden.

4. Erfolgs-Playlist

Das Ziel dieser Methode ist es vor allem für Klassenlehrkräfte eine emotionale Verbindung zur Klasse aufzunehmen, die im Laufe des Schuljahres immer weiter getragen wird. Es schafft Motivation und ist eine große Unterstützung in stressigen Zeiten, öffnet Freiräume, die Interessen und Erlebnisse der SchülerInnen besser kennen zu lernen.

Geeignet ist die Methode für alle Klassenstufen, besonders für Klassenlehrkräfte. Spannend ist es natürlich auch für Musiklehrkräfte oder Sprachen.

Ablauf der Methode:

  1. Jede:r wählt einen Song, der motiviert oder gute Laune macht.
  2. Die Schüler:innen schreiben in 1–2 Sätzen auf, warum sie diesen Song gewählt haben.
  3. Alle Songs werden in einer gemeinsamen Playlist (z. B. Spotify) gesammelt.
  4. Die Playlist kann im Laufe des Schuljahres bei besonderen Momenten abgespielt werden – z. B. vor Klassenarbeiten oder als Abschlussritual vor den Ferien.
  5. Die Playlist darf über das Schuljahr wachsen – so können SuS von neuen Songs erzählen, Erlebnisse und Motivation teilen.
  6. Eine großartige Playlist für die Abschlussparty deiner Klasse entsteht.

Praxis-Tipp: Nutze die Playlist auch mal spontan an stressigen Tagen – Musik wirkt oft Wunder. Auch an Projekttagen oder in Freiräumen hat eure Playlist Platz. Und hey: such dir vor ab einen Song aus, der dich motiviert, für dich Erfolg wiederspiegelt oder den du mit einem Erlebnis verbindest, das du mit deiner Klasse teilen möchtest. So lernen sie dich noch mal richtig gut kennen und du schaffst eine Vertrauensbasis.

Hab einen tollen Start ins neue Schuljahr!

Alle vier Methoden haben eines gemeinsam: Sie schaffen Beteiligung, Humor und Verbindung. Sie setzen auf aktive Einbindung, was gerade zu Beginn des Schuljahres entscheidend ist, um Respekt, Offenheit und Motivation aufzubauen.

Folge mir für mehr Tipps und Umsetzungsbeispiele auf Instagram. Ich freue mich!

P.S: Melde dich noch heute für meinen neuen Newsletter an. Ich habe immer „Themen-Weeks“. Nächste Woche geht es beispielsweise um den Start ins neue Schuljahr.

Feierabend-Newsletter abonnieren